Deutsch sein, Kiwi sein und Deutsch sein im Kiwiland.
// November 2nd, 2008 // Alltag, Neuseeland, kulturelle Kuriositaten
Wieder mal eine kleine Rekapitulation kultureller Unterschiede.
Das erste, was hier her muss, sind getrennte Rechnungen
. In sehr ausgeprägter Weise während des WEs in Christchurch erlebt - sehr zu Freude Britischer Mitreisender, die diese “Unart” einfach nicht nachvollziehen können. Eine Gruppe von 5 Männl, von denen fast angenommen werden kann, das sie sich gut kennen und auch mögen … trotzdem, die Rechnung bitte einmal durch 5!
Was fällt noch so auf und hab ich noch nicht erwähnt?
Ach ja, deutsche Touristen erspähen. Ganz einfach. Sehr einfach. Der deutsche Reisende tendiert eher zu praktischer denn zu modischer Kleidung.
Ich glaub, ich hatte das schon mal erwähnt, aber ich muss das hier einfach nochmal anbringen und zwar die Vertrauenseligkeit der Kiwis. Unfassbar! Höchst positiv mein ich das, kann das aber als grundparanoid geprägt Deutsche manchmal einfach nicht glauben.
Ein Beispiel: eine Kollegin hatte im Flughafen Wellington ihr Portemonnaie vergessen. Das hat jemand gefunden und ihr nachgeschickt, mit dem gesamten Inhalt, inkl. Bargeld …
Wenn ich frühs zur Arbeit laufe, könnt ich beim Erreichen der Arbeit einen kleinen Zeitungskiosk aufmachen, denn die werden (ganz waschecht wie in US-Amerikanischen Filmen schon beobachtet) vor die Tür geworfen. Peng. Und meist liegen die dann auch noch dort, wenn der rechtmässige Eigentümer vor die Tür geschlürft kommt und die einsammelt.
Weniger ehrlich ging da schon der Milchdieb zugange, der die letzten beiden Wochen hier auf Arbeit sein Unwesen trieb. Wie ebenfalls in US-Amerikansichen Filmen gern mal beobachtet, kommt hier der Milchmann, der stellt die Flaschen vor die Tür und wer frühs als erstes von den Mitarbeitern kommt, sackt die ein. Nur, die letzten Wochen gab es nix zum Einsacken. Eine Zeitlang haben sich die Obdachlosen vom Park um die Ecke immer mal ein oder zwei Flaschen gekrallt, nie genug um das grossartig auffallen zu lassen - man könnt ja noch was unternehmen
.
Ich hatte ja letztens erst Marc und Nicci da, die ihren wahnwitzigen Plan, sechs Monate lang Neuseeland zu erradeln, aktualisiert haben und nun mit einem Van unterwegs sind; auch sie stellen fest, die meisten Neuseeländer sind sehr freundlich und hilfsbereit, und zwar in einem Masse wie unsereins das nicht kennt. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel.
Ich hab natürlich auch andersweitig innerhalb der German Mafia hier in Neuseeland umhergefragt und wollte mich jetzt nicht nur auf meine, Nicci’s und Mark’s Meinung verlassen. Und das kam immer wieder, wie paranoid wir doch sein können und wie beinah schon naiv freundlich die doch hier sein können. Wie gehabt, Ausnahmen bestätigen die Regel.
Wohin gegen man so als Deutsche/r es ganz schwer lassen kann, pünktlich zu sein. Ich glaub bald, das ist genetisch bedingt
. Ebenfalls wird hier als sehr deutsch empfunden (von Deutschen und Kiwis), effizient und schnell arbeiten zu können. Als Kiwi hat man da eine eher entspanntere Auffassung zu
(laut eigener Aussage … und ähm … laut eigener Erfahrung in der Arbeitswelt).
Und was fehlt den meisten (von mir befragten und ausgehorchten und hier als representative geltende Studienteilnehmer) Deutschen? Abgesehen von Brot, gescheitem Käse und Jogurt? Na? RRRischtig, mal ‘ne tiefgründige Unterhaltung! Es dauert hier EWIG, bis die Kiwis mal auftauen und von dem Umherwerfen bedeutungsleerer Worthülsen abkommen.
Irschendwas is halt immer.
