Katzensprung

// April 29th, 2008 // Neuigkeiten, Neuseeland

Danach sieht es jedenfalls aus, wenn man mal auf die Karte guggt und sich gerade in Bangkok befindet, hält man Neuseeland quasi für den Nachbarn.

Da wir ein bisschen aufs Geld fuxen müssen, hat Adam eine sehr günstige, aber unglaublich anstrengende Route rausgepickt.

Nachdem ich einige Tage mit Reisedurchfall flach lag, konnte es ja losgehen.

21 Uhr in Bangkok. Flugdauer: geschätzte 8-9 Stunden, Geschlafen: könnte doch ‘ne ganze Stunde gewesen sein. Gefühlte Länge: 24 Stunden. Das lag vor allem daran, dass ich so ein schuppendes Muskelpaket neben mir sitzen hatte, der schon beim Nichtstun zwei Sitze braucht, um die Testosteron gefüllten Arme ablegen zu können und geschnarcht hat er natürlich auch noch! Sein Kumpel hat wohl die Begeisterungsfreude eines notgeilen Surfers; erstens sah er aus wie letzteres und zweitens hat er sich das ein oder andere Pornoheftchen als Zeitvertreib gegönnt - auch sehr schön.

Angekommen in Melbourne. 8 Stunden oder so Zwischenaufenthalt. Beim Weiterlaufen zum Anschlussflug hat man mich erstmal routinemässig nach Sprengstoff untersucht. Besser is ;-) . Man weiss ja nie, was die Kollegen in Bangkok übersehen haben könnten und dann hiess es, schlafen auf dem Flughafen. Mir Oropax und Simpsons-Reisekissen ging das auch irgendwie. Es war recht ruhig und wir haben uns auf ein paar Sitze langegestreckt und so erfolgreich ein paar Stunden totgeschlagen, dann noch flughafengerecht bepreiste Speisen zu uns genommen und weiter von Melbourne nach Christchurch. Das ging. 4 oder 5 Stunden. Ertragbar. Waren mal wieder Turbulenzen am Himmel. In Chirstchurch haben auf dem Fussboden gschlafen. Sah aus wie im TV, wenn Reisenden auf dem Flughafen stranden und war auch so unbequem, wie man immer annimmt ;-) .

 adam-in-christchurch.JPG

Das war jetzt nicht so bequem und hat auch ewig gedauert, bis die Zeit rum war. Gegen 4 Uhr in der Früh haben wir uns Richtung Check-In geschleppt und waren froh, dass der Löwenanteil der Reise schon vorbei war, nur noch der Flug, dann Bus und dann ganz schnell Hostel finden und dann nur noch ein eins: S-C-H-L-A-F-E-N!

Wenn Vietnam den Preis für den atemberaubensten Sternenhimmel verdient, dann kriegt Neuseeland denn für den aussergewöhnlichsten Sonnenaufgang, den Regenbogensonnenaufgang. Alle Farben des Regenbogens, inkl. GRÜN (seit wann gibt es grün im Himmel zu sehen?). Kann jetzt sein, dass das schon jeder mal gesehen hat, ich nicht, fand das sehr schön und erfreue mich dran während ich Neuseeland den Preis fuer den besagten Sonnenaufgang verleihe. Hier dankt die Academy.

Hab mich bei der Einreise in das Land in Christchurch auch selten dämlich angestellt. Ich schiebe es auf die Müdigkeit und generelle Verpeiltheit und war froh, dass man mich nicht wegen mangelnder Kohärenz und Kohäsion nicht das Landes verwiesen hat. Ich war auch noch nie aufgeregt oder nervös, wenn ich irgendwo eingereist bin und die obligatorische Reisepassuntersuchung anstand: mal gelächelt, mal nicht, nie Fragen, immer durchgewunken. In Neuseeland sieht man das offenbar anders, mit lächelnder Bestimmtheit hat man das Pärchen vor mir rausgefischt, weil die als Touris unterwegs waren, aber keinen Rückflugticket vorweisen konnten und ohne das lassen die einen nicht rein (sagt zumindestens das Internet und anscheinend hat das Internet da auch recht). Ich bin dran.

Immigrationsschalterfrau: Wie lange waren sie in Australien?

Ich: Hä? 8 Stunden auf dem Flughafen.

[Zu meiner Verteidigung: Beim Zettelausfuellen stand explizit da: wo sind Sie in DIESES Flugzeug gestiegen und das war nun mal in Melbourne.] Immigrationsschalterfrau: Okay, Anschlussflug, wo sind Sie denn ursprünglich eingestiegen?

Ich: Bangkok.

[Hab auch versucht zu lächeln, aber die Gesichtsakrobatik wollte nicht so richtig mitmachen.]

Immigrationsschalterfrau: Aha, Kambodscha waren Sie auch.

Ich: Hm.

Immigrationsschalterfrau: Was haben Sie denn in Bangkok gemacht?

Ich: Ich war krank.

[Im Kopf gehen Alarmglocken an: Vielleicht hätte ich das nicht sagen sollen? Vielleicht haben die Angst, ich schleppe jetzt irgendeinen Tropenvirus ein?]

Also schnell ein: “Nichts schlimmes, ein bisschen Reisedurchfall.” dazugeschoben.

Immigrationsschalterfrau: Aha. DRUGS gekauft?

[Kopf: Apotheken drugs oder illegale? Hä??? Man soll ja auch ankreuzen, ob man als potentieller Terrorist unterwegs ist oder nicht, also kann man ja auch sowas gefragt werden.]

Ich: Ähm, was gegen meinen SEHR LEICHTEN Reisedurchfall?!!

[Und dann hör ich mich im verzweifelten Versuch durch ein witzige Charmoffensive noch ein paar pluspunkte zu sammeln sagen:]

Zahnpasta.

Gehört aber sicherlich nicht zu DRUGS.

[Bombenwitz. Deutscher Humor at its best.]

Hab mich dann erstmal schlecht gefühlt, weil ich die Aspirin unterschlagen habe.

Egal. Durchgewunken.

Auf neuseeländischer Seite erstmal Kopf hin- und hergeschüttelt, um zu horchen, ob da oben noch was drin ist. Hab was rascheln hören, also hat die kambodschanische Sonne nicht alles weggebrutzelt und geh ich erstmal nicht von kompletter Leere aus und schlafe auf dem Flughafenfussboden.

Mittlerweile haben wir Müdigkeit und Jetlag auskuriert und sind fleissig auf Job und Wohnungssuche. Die einzige Müdigkeit kommt vom Herbstwetter.

Das, was hier sehr schnell auffällt, ist, die sind hier superfreundlich und haben fast immer ein Lächeln im Gesicht, überall! Selbst Adam von seiner Monkeyisland mit angeborener Overpoliteness findet das, also muss das schon was heissen ;-) .

Nachtrag: Wohnung gefunden!

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3 Responses to “Katzensprung”

  1. Mechi says:

    Das Bild: Adam schläft mit Brille?

  2. Berit says:

    Lovely Einreise sweetheart :D

  3. Annett says:

    Einer muss ja auf uns aufpassen, also schlaeft er ausnahmsweise mit einem Auge ;-) Und fuer das eine wache braucht er nun mal die Brille :P

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