Aus dem Leben eines Reisenden

// April 15th, 2008 // Kambodscha

Für den Fall, dass sich manchmal einer fragt, was wir den lieben langen Tag so treiben, hier drei Beispieltage … aus unserer Zeit in Kambodscha, die sich so oder so ähnlich auch gern woanders abgespielt haben können.

Beispiel Nummer 1: “Ereignislose Tage” - Um sein Gewissen ein bisschen zu beruhigen, sagt man sich, man ist ja schliesslich im Urlaub ;-)

Denn manchmal fühlt man sich doch ein bisschen faul, wenn man nicht jeden einzelnen Tempel abgegrast hat und dann von früh bis spät im Museum rumzuschleichen. Aber da das eh nicht die Quintessenz des Reisens ist, fällt es dann doch nicht schwer, nicht jeden einzelnen Punkt im Lonely Planet abzuhaken.

Man hat den Wecker gestellt und kommt doch nicht aus dem Bett. Was taktisch sehr unklug ist, denn je später man aus den weichen Kissen rollt, desto heisser isses und dann will man einfach nur noch wieder zurückrollen und läuft Gefahr, den ganzen Tag zu versacken. Frühstück. Wenn mit inbegriffen (eher selten), nicht so der Akt, wenn nicht, meist Kacke! Wo gehste hin, wenn schon teuer bezahlen, dann auch was ordentliches und zu heiss isses auch schon wieder und hat eigentlich schon was auf? … nach Frühstück, was machen wir? Meist hat jede Stadt was zu bieten, schwieriger ist das in Kambodscha, denn die haben nur eine wirkliche Attraktion, Angkor Wat und dafür isses heute zu spät.

Okay. Fahrrad ausleihen und rumschnarchen. Ist bei 40 Grad im Schatten auch eine irre gute Idee. Aber wenigstens verbrennt das den Alkohol von letzter Nacht und macht müde und das heisst zeitig ins Bett und morgen früh raus und ab nach Angkor Wat. Aber es ist einfach zu heiss zum Radeln und es stinkt überall nach Müll und Gülle also irgendwo rein, wo es Klimaanlage gibt und nur fettärschige Westler rumschnarchen und ach so liberale und freigeistige Familien, die ihre 2 Monate alten Babies unbedingt zum anderen Arsch der Welt schleppen müssen.

Hier lässt es sich gut versacken. Was nun? Man könnte mal wieder ein paar Bilder hochladen. Also ab ins WOW WEB, Fotos hochladen, Umfrage beim Spiegel machen, diesen Blog hier schreiben.

Wahrscheinlich früh ins Bett und dann gegen fünf raus und dieses Angkor Wat anguggen.

Beispiel Nummer 2: “Tag der Vehikelkatastrophen” - Glücklicherweise nicht all zu oft, aber dennoch in schöner Regelmässigkeit, denn vorwärts kommen will man ja auch und Flugzeug kann man sich halt nicht immer leisten und dann sind wir so gediegene 3 bis 4 Stunden leider selten unterwegs, eher 8 bis 12 und haben dabei manchmal Mörderstrecken von 171 km hinter uns gebracht.

Der Wecker klingelt gegen 6 Uhr. Hätte der sich aber auch sparen können, denn wie es der Zufall so will, ist neben an mal wieder Begräbnis oder irgendeine andere religöse Begründung zugange: seit 5:30 uhr leiern Männerstimmen über enorm grosse Lautsprecher (vor einem Hotel voller Touris - sehr clever. Beim Auschecken entschuldigt sich einer der Rezeptionisten erstmal für alles, für die leiernden Männerstimmen inklusive). Das ist schon der zweite Tag in Folge, das ist schon ‘ne Kleinstadt und trotzdem wird im Minutentakt dahingestorben und dann laut und Lärm gemacht.

Angezogen und aus dem Bett getorkelt, laut Bootkartenverkäuer kommt jemand und holt uns halb sechs ab. Nein, tut natürlich niemand, wir hopsen in den Hotel Minibus und kommen gerade noch rechtzeitig zur Bootanlegestelle. Das Boot is komplett überfüllt und überladen und wir stellen uns an, um noch Platz zu finden. Wenn es denn noch welchen gäbe. Adam sitzt hintem beim Motor und ich quetsch mich vorne mit hin, und sogleich stellt sich die Kanadierin Catherine vor. Mein Glück, denn wir sind 11 Stunden für 171 km auf diesem Boot gefangen, und von den 11 Stunden schlagen wir erfolgreich 10 schwatzend und lästern tot (und haben so einiges an Themen abgedeckt, Sinnlosigkeit von Religion, geisteskranke Diktatoren, Kriterien bei der Partnerwahl, TV-Wahnsinn). Katherine ist 30 und seit 6 Jahren arbeitend und reisend unterwegs. Da gibbet so einiges zu erzählen und ich bereite sie schon mal seelisch und moralisch auf China vor.

Adam gesellt sich dann auch zu uns. Der motor ist gerade so ein bisschen wie explodiert und hatte alle hinten Sitzenden mit Öl vollgespritzt - öfters mal was Neues.

Es ist ja nicht so, dass man uns vorher gewarnt hätte, dass das Boot überladen ist und wir 11 Stunden da hocken würden. “In sechs, spätestens sieben Stunden sind wir in Siem Reap.” LÜGNER! Ich hoffe, das versaut dir dein gesamtes Karma! Pah und im nächsten Leben sollst du als Bootkakerlake wiederkommen.

Zumindest hat der Abholservice vom Guesthouse geklappt und ich hab mich fast bekloppt gefreut, als da jemand mit Schild stand, auf dem mein Name (richtig!) geschieben war und ich halb theatralisch, dem Wahnsinn nahe, in das Tuk Tuk kollabiert bin.

Zur Wiedergutmachung haben wir unseren geschundeten Seelen zwei Tage später folgendes gegönnt:

Beispiel Nummer 3: “Tag der Dekadenz und des Luxus” - Äusserst selten und an sich erst einmal aufgetreten … (Also vielleicht nicht das repräsentativste Beispiel, aber dennoch ein schönes.)

Der beginnt damit, dass man es so halbwegs pünktlich schafft, aus dem Bett zum Frühstück zu kommen, schnell noch Buch und Wasser eingepackt und dann auf die Suche nach besagter Spa - Einrichtung. Im Hinterkopf wird ausgehandelt, wieviel man bereit ist zu zahlen, denn eines ist sicher, Kambodscha is zwar arm, aber die meisten westlichen Plätze und Lokalitäten lassen das kaum vermuten. Daher muten solche Orte auch sehr surreal an. Eben noch durch Müllberge geradelt und schon in der Oase gelandet.

Wir kommen an, treten in diese heiligen Hallen, so in Schlabberhose und ärmellosem Top und da bin ich ja schon froh, dass ich nicht wegen der Nicht - Einhaltung einer möglichen Kleiderordnung des Platzes verwiesen werde … Wir treten ein und finden Rezeptionsfrau und die erzählt uns von dem “Crazy Pool Angebot” für 18 $ (ohne Steuern, die haben hier andauernd die Unart, das separat aufzulisten, irgendwo in der Ecke, wo es kein Mensch lesen kann, es sind immer 10 Prozent, kann doch nicht so schwer sein, den Endpreis hinzukritzeln) inkl. Lunch (Sandwich) und 20 Mintuen Massage, für diese 18 steuerfreien Dollar dürfen wir im Pool oder wahlweise im Whirlpool liegen und uns auf den Liegen breit machen, das dürfen wir auch noch, na gut, okay, hier isses ruhig und recht leer und ich tiger noch ma los und hol Buchnachschub und geh noch schnell an der Tankstelle einkaufen (is ja klar, wir geben 18 Dollar für Dekadenz aus, da muss an anderer Stelle gespart werden ;-) )

Wie dem auch sein, wir haben den ganzen Tag nix weiter gemacht ausser lesend am Pool zu liegen und ich hab auch endlich mal meine Schwimmerbrille zum Einsatz gebracht, die ich seit gut 3 Monaten umher trage und reise … Gegen fünf sind wir dann abgedampft (und haben da beim Rechnungzahlen festgestellt, dass die 10 Prozent nicht dabei waren) und uns kurz fertig gemacht, bevor wir uns mit ein paar anderen Reisenden getroffen haben und mal was für den Alkoholpegel getan haben ;-) . Prösterchen!

Da in Kambodscha so ein bisschen wie der Hund begraben ist und wir natur- & museumstechnisch so einiges von Vietnam gewöhnt sind, geht es Donnerstag endlich weiter Richtung Thailand und gen Süden und zu ein bisschen mehr Aktivitäts- & Unternehmungsfreude unsererseits 8-) .

Ich geh jetzt Bildchen beschriften und dann zeitig ins Bett ;-) !

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